Historische Radios - Eine Chronik in Wort und Bild
Blaupunkt (Ideal)
Geräte

Nachdem Bosch Anfang der Dreißiger bei Blaupunkt das Sagen hatte und 1932 schon der erste Autosuper vorgestellt wurde, konnte man erwarten, daß dem Autoradio bei Blaupunkt Priorität eingeräumt werden sollte. Aber es gab – wie in der Firmengeschichte zu lesen ist – technische Probleme, welche die Firmenleitung veranlaßten, ihre weiterentwickelten Modelle vorerst nicht in die Kataloge zu bringen. Erst 1938 war Blaupunkt in denselben vertreten, mit dem hier abgelichteten 12 kg schweren Modell 7 A 78.

Erstaunlicherweise hatte dieser empfangsstarke Vorstufensuper nur sechs Kreise: die Trennschärfe war zweitrangig, denn störungsfrei empfing man während der Fahrt ohnehin nur den Bezirkssender. Und wenn das Radio bei einer längeren Picknick-Pause eingeschaltet wurde, mußte darauf geachtet werden, daß die verbliebene Akku-Energie noch zum Starten des Motors ausreichte. Die Stromaufnahme damaliger Radios betrug nämlich (bei sechs Volt) rund vier Ampere!

Den Wimpel montierten sich die Blaupunkt-Vertriebsleute gerne auf die Kotflügel ihrer Autos.

7 A 78: 450-650 Euro



 

Links der Lautsprecher, rechts die Skala – so wurden in den Enddreißigern die meisten Einfach- und Mittelklassegeräte gestaltet. Blaupunkt wählte 1939 diese Anordnung auch für einen großen Vorstufensuper, den 8 W 79. Mit den zwischen Lautsprecher und Skala senkrecht angeordneten sieben Festsendertasten samt magischem Auge eine besonders gelungene Gehäusegestaltung, die mit den größeren Schwenkskalenmodellen durchaus konkurrieren kann.

Blaupunkt verwendete ein gemeinsames Chassis für den Empfangs- und Netzteil (der Reparatur-Techniker weiß es zu schätzen). Dieses Gerät war (im Gegensatz zu dem bei AEG abgebildeten 6/96 WK) stets trocken gelagert. Deshalb ist der Erhaltungszustand „gut bis sehr gut“.

8 W 79: 380-500 Euro



 

Bei diesem Zweikreiser 4 W 29 im Bakelitgehäuse, Baujahr 1939 sind drastische Sparmaßnahmen erkennbar – das Chassis besteht aus einer dicken Pappe. Die Empfangsleistung auf Mittel- und Langwellen ist gut (Kurzwellen hat er nicht), und ebenso die Tonreinheit des mit Diodengleichrichtung arbeitenden Gerätes. Drin sind die Verbundröhren EBF 11 und ECL 11.

4 W 29: 40-100 Euro



 

Auch ein Blaupunkt-Modell aus 1939, aber „Sparmaßnahmen“ findet man bei dieser Raumton-Musiktruhe 11 W 79 wirklich nicht. Mit elf Röhren, sieben Kreisen (und zwei weiteren für die Scharfabstimmung) kann sie auftrumpfen, und auch mit dem Ladenpreis von 1500.- Reichsmark. Fast doppelt so teuer war sie – wie andere Musikschränke dieses Jahrgangs, nur das Siemens-Kammermusik-Gerät KMG IV (mit noch mehr Röhren) machte ihr den Rang streitig.

Der Plattenspieler ist mit dem neuesten Saphir-Tonabnehmersystem TO 1001 ausgestattet und die drei Lautsprecher (man sprach damals schon vom „Raumton“ und „Exponentialhorn“) werden durch zwei Endpentoden AL 5 strapaziert.

128 x 95 x 58 cm sind die Maße der rund 100 kg schweren Truhe. Ein schlichtes, aber edel gearbeitetes Musikmöbel für höchste Ansprüche. (Sammlung: J.Bergmann)

Raumton-Musiktruhe 11 W 79: 1700-2500 Euro