Historische Radios - Eine Chronik in Wort und Bild
Blaupunkt (Ideal)
Geräte

Nach den frühen „Ideal“-Kofferradios gab es viele Jahre keine transportablen Blaupunktgeräte. 1939 brachte das Werk dann diesen 6 BW 69. Mit Heiz- und Anodenbatterien war er nicht zu betreiben, nur für den Anschluß an 6- oder 12-Volt-Auto-Akkus oder an das Wechselstromnetz hatte man ihn konstruiert. Bestückt war er mit der Standard-Röhrenserie ECH 11, EBF 11 und ECL 11; der aus Wien auf den deutschen Markt gekommene Radione-Vorstufensuper R 2 konnte mehr.

6 BW 69: 150-250 Euro



 

In der 1945 mit Trümmern übersäten „Reichshauptstadt“ fertigten Mitarbeiter der weltbekannten Blaupunkt-Werke diesen armseligen und irgendwie doch kreativ gestalteten „Detektorapparat“. Der Mannheimer Händler Radio Dahms verkaufte ihn. Heute werden solche Nachkriegs-Erstprodukte vom Sammler hoch bewertet.

Detektor 1945: 150-250 Euro



 

Ein weiteres „Notzeit-Produkt“, von den Blaupunkt-Mitarbeitern weniger „produziert“ als vielmehr „zusammengebastelt“: Der Einkreiser LV 16 mit zwei RV 12 P 2000, welcher im „Empfänger-Vademecum“ 1947 beschrieben ist (gefertigt wurde er früher).

Ganz so schlimm wie hier im Bild sah er nicht aus, als er die „Fabrik“ verlassen hatte – der Besitzer wollte die Empfangsleistung verbessern, indem er die Antenne über einen Trimmer kapazitiv an den Schwingkreis koppelte – aber schon zuvor war der Aufbau chaotisch.

LV 16: 120-200 Euro



 

Blaupunkt baute DKE-Nachfolger in verschiedenen Ausführungen. Der Typ 2 GW 145 konnte noch mit der VCL 11 bestückt werden (wobei es sich vermutlich um Restbestände handelte), ihm folgte der 2 GW 146 E, bestückt mit zwei RV 12 P 2000 und der letzte dieser Art: 2 GW 149 ist rechts abgebildet. Beim links stehenden handelt es sich um einen Eltra-Kleinempfänger mit RV 12P 2000.

 

Zehn (schlechte) Jahre waren seit dem Erscheinen des deutschen Kleinempfängers verstrichen – in diesem Nachkriegsmodell konnte man die ungeliebte Sparröhre VCL 11 letztmals pfeifen hören.

2 GW 149: 80-180 Euro



 

Nicht nur in Berlin fertigte Blaupunkt erste Nachkriegsgeräte, auch in Hildesheim und in der Bayern-Metropole. Die kleine Geschichte zu den dort entstandenen Radios soll dem Leser nicht vorenthalten werden:

„In München steht ein Hofbräuhaus“ – und nicht nur dies – in München stehen auch zahlreiche Brauereigebäude, zum Beispiel das der Paulaner- Salvator- und Thomasbräu in der Kapuzinerstraße. Am Kriegsende hatte dort ein Blaupunkt-Zweigbetrieb Unterschlupf gefunden.

Monatlich 300 Sechskreis-Allstrom-Superhets des hier abgebildeten Typs München GW 646 verließen die biergeschwängerte Atmosphäre der zweckentfremdeten Räumlichkeiten. Das in Bayern heiß umstrittene „Bierbrauverbot“ war schuld an der Entweihung des Gerstensaft-Tempels.

Indes – der Durst Münchner Kehlen nach Bier war noch größer als der des Ohres nach Musik – das sahen schließlich auch die Amerikaner ein und gaben dem bayerischen Volksnahrungsmittel wieder frei Fahrt.

Blaupunkt mußte ausziehen und baute den 5 GW 646 – später als 648 (noch immer im 320 x 215 x 165 mm großen Holzgehäuse) – in Luhe in der Oberpfalz. Der Unterschied: 1946 konnte das Telefunken-Röhrenwerk Ulm noch nicht den U-Röhrensatz liefern, der im 5 GW 646 gebraucht wurde.

Wie Telefunken Dachau beim B 644 GWK (siehe AWB und Telefunken) mußte auch Blaupunkt München drei Stahlröhren-Ersatzaufbauten einsetzen, die mit zwei P 2001 und fünf P 2000 bestückt wurden (im Rückseitenfoto und im Bild aus der „Funktechnik“ Nr.18/1947 sind die etwas krumm geratenen Kombinationen zu erkennen). Das 1948er Modell bekam dann die Ulmer U-Glasröhren-Serie.

München GW 646: 120-200 Euro