Historische Radios - Eine Chronik in Wort und Bild
Braun
Firmengeschichte

Der aus Ostpreußen stammende Max Braun ging schon vor dem Ersten Weltkrieg nach Berlin. Dort arbeitete er u.a. bei Siemens und AEG. Nicht im Bereich Funktechnik, doch bewies er schon damals (von AEG auch entsprechend honoriertes) Erfinder-Talent.

Mit der Heirat seiner rheinhessischen Frau übersiedelte Braun nach Frankfurt, wo er sich 1921 selbständig machte. Die Erfindung eines Treibriemenverbinders, er nannte ihn „Trumpf“, wurde zum Grundstein seiner erfolgreichen Unternehmungen. 1923 gelang dem vielseitig talentierten eine damals aufsehenerregende Detektorkonstruktion mit walzenförmig ausgebildetem Kristall. Die Verkaufserfolge dieses „Trumpf-Walzendetektors“ ermutigten ihn wohl, seine handelsgerichtlich eingetragene Firma mit dem Zusatz „Fk.f.R.-Neuheiten“, also Fabrik für Radio- oder Rundfunk-Neuheiten, zu versehen. Sie wurde Mitglied des Verbandes der Funkindustrie und fertigte für die expandierende Branche Röhrensockel und zahlreiche andere Einzelteile.

Vor 1930 war Braun nicht Bauerlaubnisnehmer und stellte somit keine Röhrenempfänger her. Die fertigte der in Höchst ansässige Carl Sevecke, mit dem Max Braun zunächst Lieferverträge abschloß und später dessen Radioproduktion übernahm. In der „Bestückungsliste“ stand 1931 noch die Firma „Sevecke“ allein, schon 1932 wurde der Eintrag um den Klammerzusatz „Max Braun, Frankfurt a.M.“ ergänzt. „Cosmophon“-Empfänger und „Elcordon“-Radio-Phono-Schränke waren die Erzeugnisse.

Erst 1933 kam dann Braun (ohne Sevecke) mit den Modellen Mozart und Edelsuper in die Radiokataloge. 1934 erschienen die Empfänger-Plattenspieler-Kombinationen, die sich mit zeitgemäß wechselnden Gehäusegestaltungen stetiger Beliebtheit erfreuten. 1939 endeten die Serien mit dem ebenso geschmackvoll wie dezent gestalteten Modell 6740. Nicht zu vergessen die Kofferradios, mit denen Braun 1936 bis 1939 besonders erfolgreich war.

1944 waren beide Frankfurter Braun-Werke durch Luftangriffe zerstört worden, deshalb konnte die Radioproduktion erst drei Jahre später wieder aufgenommen werden – beginnend mit kleinsten Stückzahlen.„Diese Firma bringt jetzt wöchentlich 100 Empfänger heraus und wird in kurzer Zeit die Produktion auf das Doppelte steigern können“ – schreibt die „Funktechnik“ in der Ausgabe Nr. 21 vom November 1947.

1949 entsprachen die Heimgeräte wieder etwa dem Vorkriegstyp 5650 W, ab 1952 bekamen aber auch Braun-Radios die Einheitsgestalt. Abgesehen von großzügig dimensionierten Endstufen bei „Fono“-Modellen von 1950 und 51 konnte man technische Besonderheiten an den Mittelklasse-Superhets nicht entdecken. Der stets für Neuheiten aufgeschlossene Unternehmer hatte sich zu dieser Zeit wohl mehr auf die Entwicklung von Elektro-Haushaltsgeräten konzentriert, und speziell auf die „Braun-Rasierer“. Sie wurden – wie jedermann weiß – zum großen Erfolg, den Max Braun jedoch nicht mehr erleben durfte. Der Ruhelose verblich 1951 an seinem Schreibtisch.

Die Rundfunkempfänger und Plattenspieler-Kombinationen des Frankfurter Unternehmens erregten erst gegen Mitte der Fünfziger Aufsehen. Und das allein aufgrund des neuen Braun-Designs, das in Abschnitt 2.9. ausführlich besprochen wurde.

Damit (und natürlich mit ihren anderen Geräten, speziell den inzwischen weltweit bekannten Braun- Rasierapparaten) konnte sich die Firma über Jahrzehnte am Markt behaupten. 1967 hatte jedoch der US-Konzern „Gillette“ die Kapitalmehrheit übernommen. Er war primär an den Rasierapparaten interessiert und stieß 1981 die Unterhaltungselektronik ab. Unter der Marke „ADS“ (Analog and Digital Systems) wurden die Geräte weiterhin von der Braun-Electronic-GmbH, Kronberg im Taunus, gefertigt oder – richtig gesagt – zusammengestellt.

Godehard Günther kam jedoch nicht auf seine Kosten. Um den drohenden und für die Edelmarke recht unrühmlichen Zusammenbruch zu verhindern, griff Braun mit Billigung von Gillette nochmals tief in die Tasche, finanzierte die mit großem Werbeaufwand verkündete „Last Edition“ und ließ letztmals mehrere tausend Geräte vom Band laufen – man frage nicht nach der Herkunft und Qualität des Innenlebens. Bis zu 15.000 Mark mußten die Käufer berappen, aber man bekam dafür ja auch ein „Zertifikat“ – das sicher wertvollste Detail dieser Neuerwerbung.

Ernst Ortmann, der clevere Braun-Manager, suggerierte den Käufern, daß diese Sammelobjekte eine gute Geldanlage seien. Ob er sich da nicht ebenso irrte, wie bei der Behauptung, daß der „Schneewittchensarg“ schon für 3.000 DM gehandelt würde? Oder hat da vielleicht der Journalist eine Null zuviel aus dem Setzkasten geholt? Was den Wahrheitsgehalt betrifft, weichen bekanntlich die Gepflogenheiten der Verkaufs- und Zeitungsleute nicht wesentlich voneinander ab.

1990 also war das Jahr, in dem zumindest Teile der Braun-Empfangsanlagen und das Äußere derselben noch in eigener Regie gefertigt wurden. Annähernd 10 Millionen Verlust schon 1989 und etwa gleichviel 1990 – das war Grund genug für den Ausstieg aus diesem Geschäft.

1990 kann auch als das Datum gesehen werden, wo in Deutschland überhaupt das letzte Rundfunkgerät vom Band lief. (siehe auch Schneider)

Die Braun-Sammler unterteilen sich in zwei Interessengruppen. Für Designfans gibt es Braun erst seit dem Erscheinen des SK 1 und PK-G. Der Radiosammler dagegen sucht auch „die alten Brauns“.

Einen Trumpf-Detektor (1924) hat wohl noch keiner gefunden, aber Geräte ab 1933 gibt es hin und wieder. Neben Mozart und Edelsuper sind die ersten Schellackplattenspieler Cosmophon gesucht. Dann die Empfänger-Plattenspieler-Kombinationen aus den Jahren 1934 bis 39, unter denen der 738 W von 1937 das Spitzengerät war. Nicht zu vergessen die Braun-Reiseempfänger – der Nachkriegs-Koffer war sehr viel schlichter als die schönen Vorkriegsmodelle.

Die ersten Braun-Nachkriegs-Radios sind kaum mehr zu finden, auch die 1947/48er Modelle 4547 W/GW sind selten. Zwischen 1949 und 55 tut's ein Beispiel (zur Überbrückung), dann folgen die bekannten Designergeräte. Bei den Modellen SK 1-3 handelt es sich noch um hauseigene Entwürfe, diese Kleinsuper wurden von den Herren Artur Braun und Dr. Fritz Eichler gestaltet. Mit dem Entwurf der folgenden Braun-Tisch-Radios, Radio-Phono-Kombinationen, Musikschränke, Taschen- und Kofferempfänger sowie Phonokoffer, Verstärker und Lautsprecher beauftragte das Unternehmen so bedeutende Persönlichkeiten wie: Prof. Wilhelm Wagenfeld, Hans Gugelot von der Hochschule für Gestaltung in Ulm, Peter Hartwein, Prof. Herbert Hirche, Arne Jacobsen, Prof. Dr. Gerhard Lander, Prof. Dr. Gerhard Lindinger, Helmut Müller-Kühn, und die Werkstätten Thun. Die herausragende Gestalter-Persönlichkeit aber war Dieter Rams, der zum Professor an die Hochschule für bildende Künste Hamburg berufen wurde. 1955 begann seine Tätigkeit bei Braun, wo er ab 1956 als Designer wirkte. Direktor für Produktdesign, Generalbevollmächtigter der Braun AG und Präsident des Rates für Formgebung – das waren die Stationen auf der Erfolgsleiter, bis er 1995 die Verantwortung an seinen Nachfolger der Braun-Design-Abteilung abgab. Da gab es aber schon 5 Jahre lang keine Braun-„Radios“ mehr.